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DIE STRAFTAT

Im österreichischen Strafrecht gibt es unterschiedliche Arten von Straftaten. Um Ihnen einen Überblick zu geben, erklären wir Ihnen hier die verschiedenen Einteilungen von Straftaten:

Verbrechen – Vergehen?
Das Strafrecht unterteilt die Straftaten zunächst grundsätzlich zwischen zwei Arten, nämlich Verbrechen und Vergehen. Ein “Verbrechen” ist ein mit lebenslanger oder mehr als dreijähriger Freiheitsstrafe (=Haft) bedrohtes Delikt, das vorsätzlich begangen werden muss. Alle anderen Handlungen nennt man “Vergehen”.

Vorsätzlich oder fahrlässig?
Es gibt Straftaten, die man vorsätzlich und solche, die man fahrlässig begehen kann. Unter “vorsätzlich” oder “Vorsatz” versteht die Juristin/der Jurist, dass die Täterin/der Täter einen Sachverhalt verwirklichen will, der einem gesetzlichen Tatbild entspricht. Es genügt, wenn die Täterin/der Täter die Verwirklichung ernstlich für möglich hält und sich mit ihr abfindet. Frei übersetzt heißt das für Sie, dass die Täterin/der Täter die Straftat begehen WOLLTE und die Folgen (zB die Verletzung des Opfers oä) in Kauf nimmt. Ein typisches Beispiel für ein Vorsatzdelikt ist zB Mord, Diebstahl, Vergewaltigung…
Andere Delikte kann man nur “fahrlässig” begehen. Das definiert die Juristin/der Jurist wie folgt: “Fahrlässig handelt, wer die Sorgfalt außer Acht lässt, zu der er nach den Umständen verpflichtet und nach seinen geistigen und körperlichen Verhältnissen befähigt und die ihm zuzumuten ist, und deshalb nicht erkennt, dass er einen Sachverhalt verwirklichen könne, der einen gesetzlichen Tatbild entspricht.”
Die etwas sperrige Definition kann man sehr vereinfacht so verstehen, dass jemand fahrlässig handelt, wer die gebotene Aufmerksamkeit und Konzentration unterlässt und deshalb gegen ein Strafgesetz verstößt. Das typische Beispiel für ein Fahrlässigkeitsdelikt ist die fahrlässige Tötung. Wer zB mit dem Auto nicht aufmerksam unterwegs ist, deshalb einen Schutzweg übersieht und eine Fußgängerin/einen Fußgänger überfährt, der/die dann an den Verletzungen stirbt, begeht das Delikt der Fahrlässigen Tötung. Wollte die Täterin/der Täter die/den Fußgänger/in rammen, hätte er/sie einen “Vorsatz” und es wäre Mord.

Versucht oder vollendet?
Man kann ein Delikt vollenden, also alle Tatbestandselemente (= Teile des Gesetzes) erfüllen oder ein Delikt nur versuchen. Beim Versuch will die Täterin/der Täter zwar das Delikt vollenden, er/sie schafft es aber nicht, weil er/sie zB in flagranti von der Polizei überrascht wird. Auch wenn das Delikt nur versucht wurde, ist es dennoch genauso strafbar und wird verurteilt. Es kann sich aber unter Umständen mildernd auf die Strafhöhe auswirken.

Anzeige erstatten

An wen kann ich mich als Opfer einer Straftat wenden?
Wird jemand Opfer einer Straftat, so kann sie/er bei jeder Polizeidienststelle oder bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige erstatten. MitarbeiterInnen einer Opferhilfeeinrichtung können das Opfer dorthin begleiten und in dieser oftmals schwierigen Situation unterstützen.

Neben dem Opfer können sich auch Zeuginnen und Zeugen, Verwandte und andere Personen, die von einer Straftat erfahren, an die Behörden wenden.

Eine Pflicht zur Anzeigeerstattung besteht nur für Behörden, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, nicht aber für Privatpersonen.

Eine Anzeige kann schriftlich oder mündlich erstattet werden. Um die Ermittlungen zu beschleunigen ist es ratsam, bereits bei der Anzeigeerstattung vollständige Angaben zu machen und alle möglichen Beweise wie beispielsweise Fotos oder Briefe vorzulegen sowie die Namen von Personen zu nennen, die bei dem Vorfall anwesend waren. Ist die Täterin/der Täter unbekannt, so kann auch eine Anzeige gegen Unbekannt eingebracht werden. Sofern eine Anzeige schriftlich erstattet wird, ist darauf zu achten, dass sie unterschrieben wird.

Muss ich sofort nach der Straftat eine Anzeige machen?
Eine Frist zur Anzeigeerstattung gibt es nicht. Allerdings dürfen gewisse Straftaten nach Ablauf einer gesetzlich bestimmten Zeitspanne nicht mehr verfolgt werden. Die Länge dieser sogenannten Verjährungsfrist hängt von der konkreten Straftat ab und beträgt mindestens ein Jahr.

Grundsätzlich ist es aber ratsam, sich so schnell wie möglich an die Behörden zu wenden. So können mögliche Spuren gesichert werden. Bei körperlichen Übergriffen ist es jedenfalls wichtig einen Arzt aufzusuchen, damit die Verletzungen dokumentiert werden. Das erleichtert das Beweisverfahren.

Nach Erstattung einer Anzeige bei der Polizei, erhält das Opfer eine Anzeigebestätigung und eine Kopie seiner Niederschrift. Darauf befindet sich eine Aktenzahl. Mit dieser Zahl kann das Opfer bei der Polizei weitere Informationen über den Verfahrensstand erfragen. 
Wenn die Anzeige schriftlich bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstattet wird, erhält man keine Bestätigung. Hier ist es erforderlich, sich bei der jeweiligen Staatsanwaltschaft bzw Polizeistation nach der Aktenzahl zu erkundigen.

Kann die Polizei oder die Staatsanwaltschaft eine Verfolgung meiner Anzeige ablehnen?
Grundsätzlich sind die Behörden verpflichtet, jeden Verdacht einer strafbaren Handlung zu verfolgen und notwendige Ermittlungsmaßnahmen zu setzen. Ausnahmen bestehen nur für einige wenige Straftaten, sogenannte Privatanklagedelikte. Darunter fällt beispielsweise die Ehrenbeleidigung. In diesen Fällen findet kein Ermittlungsverfahren statt. Das Opfer selbst muss alle notwendigen Informationen beschaffen und dann eine Privatanklage bei Gericht einbringen. Kommt es zu einem Freispruch, muss die Privatanklägerin/der Privatankläger die Kosten des Verfahrens übernehmen.

Neben den Privatanklagedelikten gibt es noch sogenannte Ermächtigungsdelikte. Darunter fällt beispielsweise ein Diebstahl im engen Familienkreis. In diesen Fällen sind die Behörden zwar verpflichtet, mit Ermittlungen zu beginnen, sie müssen aber unverzüglich die Ermächtigung des Opfers zur Verfolgung einholen. Wird diese nicht erteilt, so darf das Verfahren nicht fortgesetzt werden. Siehe dazu Die Straftat

Ihre Rechte als Opfer:

  • Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Gericht müssen auf Ihre Rechte und Interessen angemessen Bedacht nehmen.
  • Bei der Einvernahme durch die Polizei, haben Sie das Recht mit “Sie” angesprochen zu werden, Pausen zu verlangen und sich hinzusetzen.
  • Sie haben das Recht, eine andere Adresse als Ihre eigene anzugeben, um so zu verhindern, dass die Täterin/der Täter Kenntnis von Ihrer Wohnanschrift erlangt.
  • Es darf keine Personenuntersuchung gegen Ihren Willen durchgeführt werden.
  • Sie haben das Recht, vor Ihrer Vernehmung über Ihre wesentlichen Rechte im Verfahren informiert zu werden, sowie über die Möglichkeit, Entschädigungs- oder Hilfeleistungen zu erhalten.
  • Bei Gewaltopfern und Hinterbliebenen: Sie müssen Information über die Voraussetzungen der Prozessbegleitung erhalten.
  • Bei Opfern eines Sexualdelikts: Sie müssen informiert werden, dass Sie von einer Person des gleichen Geschlechts vernommen werden können, wenn Sie das möchten. Außerdem müssen Sie darüber informiert werden, dass Sie einzelne unzumutbare Fragen nicht beantworten müssen und dass die Hauptverhandlung (Die Gerichtsverhandlung)nicht öffentlich, dh. ohne Zuschauerinnen und Zuschauer ist, wenn Sie das wünschen.
  • Unter bestimmten Umständen können Sie die Beantwortung einzelner Fragen oder die Aussage allgemein verweigern, nähere Informationen dazu finden sie hier.



Anzeige

Aktenzahl

Niederschrift

Das Ermittlungsverfahren

Was geschieht, nachdem ich eine Anzeige erstattet habe?
Nachdem die Behörden von dem Verdacht einer strafbaren Handlung erfahren haben, zB durch eine Anzeige (siehe dazu: Anzeige erstatten), beginnt das sogenannte Ermittlungsverfahren. In dieser Phase soll der Sachverhalt und der Tatverdacht aufgeklärt werden, der sich aus einer Anzeige ergibt. Die Behörden sind verpflichtet die Wahrheit zu erforschen und alle Tatsachen aufzuklären, die für die Beurteilung der Tat und der/des Beschuldigten von Bedeutung sind.

Die Erhebungen werden in der Regel von der Kriminalpolizei unter Anleitung der Staatsanwaltschaft geführt. Bei bestimmten Ermittlungsmaßnahmen ist zusätzlich die Zustimmung des Gerichtes einzuholen. Zu Erhebung des Sachverhaltes stehen insbesondere folgende Ermittlungsmaßnahmen zur Verfügung:

  • Vernehmung des Opfers und der Beschuldigten/des Beschuldigten
  • Einsichtnahme in Urkunden (Briefe, Fotos, SMS,..)
  • Durchführung eines Ortsaugenscheines oder einer Tatrekonstruktion
  • Sicherstellung und Beschlagnahme diverser Gegenstände
  • Molekulargenetische Untersuchungen z.B. von am Tatort sichergestellten Spuren
  • Haus- und Personendurchsuchungen
  • Observationen
  • Überwachung von Nachrichtenübermittlungen bzw. nachträgliche Auskunfteinholung über versendete Nachrichten

Je nachdem, welche und wie viele dieser Ermittlungen notwendig sind, kann diese Phase unterschiedlich lange dauern. Als Opfer ist es wichtig, mit der Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft unter Wahrung Ihrer Rechte zu kooperieren. Es ist deshalb zu empfehlen, dass Sie selbst Beweise sammeln und den Ermittlerinnen und Ermittlern übergeben. Bei Opfern sexueller Gewalt empfiehlt es sich, wenn Sie zB die Kleidung, insbesondere Unterwäsche, für die Spurensicherung in einem Plastikbeutel aufheben. Im Falle von Verletzungen sollten Sie sofort (!) ein Krankenhaus aufsuchen, damit die Verletzungen dokumentiert werden.

Auf Basis der Ergebnisse des Ermittlungsverfahrens entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob genug Beweise vorliegen, um die Beschuldigte/den Beschuldigten anzuklagen, ob im Hinblick auf das Vorleben der Täterin/des Täters eine alternative Regelung zum Strafverfahren sinnvoll ist (Diversion) oder ob das Verfahrens eingestellt wird.
(siehe dazu: Ermittlungen abgeschlossen: Was macht die Staatsanwaltschaft?)


Ihre Rechte als Opfer:

  • Informationsrechte: Dem Opfer einer Straftat stehen im Zuge des gesamten Ermittlungsverfahrens zahlreiche Rechte zu. Über diese sind Sie bereits vor der ersten Vernehmung aufzuklären.
  • Besondere Rechte von Opfern von Gewalttaten: Bei der Befragung von Opfern von Gewalttaten oder sexuellen Übergriffen sind Beamtinnen und Beamte verpflichtet, auf die damit verbundene emotionale Belastung besondere Rücksicht zu nehmen. Auf ihr Verlangen ist Opfern psychosoziale und juristische Prozessbegleitung zu gewähren. Opfer von Sexualstraftaten haben überdies das Recht, von einer Person desselben Geschlechtes vernommen zu werden.
  • Informationen über Fortgang des Verfahrens: Nach einer Anzeigeerstattung bei der Polizei erhält das Opfer eine Kopie der Niederschrift, auf der sich eine Aktenzahl befindet. Unter Angabe dieser Aktenzahl können in weiterer Folge Informationen über den Fortgang des Verfahrens eingeholt werden.
  • Information über die Entlassung der Täterin/des Täters aus der Untersuchungshaft: Wenn Sie ein Opfer von Gewalt, gefährlicher Drohung oder einer sexualisierten Straftat sind, werden Sie von Amts wegen über die Entlassung der Täterin/des Täters aus der Untersuchungshaft informiert. Wenn Sie ein Opfer einer sonstigen Straftat sind, können Sie einen Antrag auf Verständigung stellen.
  • Vertretungsrechte: Sie können sich durch eine Rechtsanwältin/einen Rechtsanwalt, eine anerkannte Opferschutzeinrichtung oder eine sonst geeignete Person vertreten lassen.
  • Akteneinsicht: Sie könne in den Ermittlungsakt Einsicht nehmen.
  • Recht auf kontradiktorische Vernehmung: Opfer von Gewalt- oder Sexualstraftaten und Personen, die insbesondere aufgrund ihres Alters besonders schutzwürdig sind, haben das Recht, bereits im Ermittlungsverfahren eine sogenannte kontradiktorische Vernehmung unter Ton- und Bildaufnahme zu verlangen. Die Richterin/der Richter befragt dann das Opfer in einem von der/von dem Beschuldigten getrennten Raum. Die Befragung wird aufgezeichnet und in ein anderes Zimmer übertragen, in dem sich die/der Beschuldigte und allenfalls seine Verteidigerin/sein Verteidiger sowie eine Vertreterin/ein Vertreter der Staatsanwaltschaft befinden. Diese können der Vernehmung folgen und über die Richterin/den Richter Fragen stellen. Das Opfer muss dann im Falle einer Anklage in der Hauptverhandlung nicht mehr aussagen und erspart sich einen weiteren Kontakt mit der Täterin/dem Täter.
  • Schadenersatz von der Täterin/dem Täter fordern: Jedes Opfer einer strafbaren Handlung hat das Recht, den Ersatz des durch die Straftat erlittenen Schadens zu begehren. Damit wird man zur/zum sogenannten Privatbeteiligten (siehe: Die/Der Privatbeteiligte), die/der noch weitreichendere Rechte im Verfahren zukommen. Bereits in diesem Stadium des Verfahrens, können Sie sich gemeinsam mit Ihrer Vertretung überlegen, in welcher Höhe Sie Schadenersatz fordern wollen.
  • Recht auf Übersetzungshilfe durch eine Dolmetscherin/einen Dolmetscher, wenn Sie sich nicht hinreichend verständigen können.
Ermittlungen abgeschlossen:
Was macht die Staatsanwaltschaft?

Was geschieht nach Abschluss des Ermittlungsverfahrens?
Nachdem alle erforderlichen Ermittlungen durchgeführt wurden, hat die Staatsanwaltschaft auf Basis der Ergebnisse zu entscheiden, wie weiter vorzugehen ist. Hierbei sind folgende Varianten zu unterscheiden:

  • der Sachverhalt ließ sich hinreichend aufklären
  • trotz Durchführung aller notwendigen Ermittlungsmaßnahmen blieb unklar, was tatsächlich geschah

Ließ sich der Sachverhalt nicht aufklären oder stellt sich im Nachhinein heraus, dass das Vorgefallene nicht mit gerichtlicher Strafe bedroht ist, so hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren einzustellen.

Legen die Ermittlungsergebnisse hingegen nahe, dass die/der Beschuldigte eine strafbare Handlung begangen hat, so gibt es zwei mögliche Vorgehensweisen. Die Staatsanwaltschaft kann entweder eine Anklage erheben oder von der weiteren Verfolgung zurück treten (Diversion).

Was passiert, wenn eine Anklage erhoben wird?
Wenn die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt, kommt der Fall zu Gericht und es wird eine Hauptverhandlung durchgeführt. Je nach Schwere der Straftat werden diese Fälle von

  • einer Einzelrichterin/einem Einzelrichter; oder
  • einem Schöffensenat, bestehend aus einer Berufsrichterin/einem Berufsrichter und zwei LaienrichterInnen, die über die Schuld und die Strafhöhe der Täterin/des Täters entscheiden; oder
  • einem Geschworenensenat, bestehend aus drei BerufsrichterInnen und acht Geschworenen, wobei die Geschworenen über die Schuld der Täterin/des Täters bestimmen und anschließend zusammen mit den drei BerufsrichterInnen über die Strafhöhe entscheiden, verhandelt.
    Das Gerichtsverfahren endet in der Regel mit einem Urteil, in dem das Gericht über die Schuld der Täterin/des Täters entscheidet. Wird die Angeklagte/der Angeklagte schuldig gesprochen, erhält sie/er eine Strafe, die ebenfalls vom Gericht festgelegt wird.

Was ist die Alternative zu einem Gerichtsverfahren?
Siehe Diversion.

Aus welchen weiteren Gründen kann ein Ermittlungsverfahren beendet werden?
Stellt sich während der Ermittlungen heraus, dass die Tat, derer die Täterin/der Täter verdächtigt wird, nicht mit gerichtlicher Strafe bedroht ist, oder die Verfolgung der Täterin/des Täters wegen Immunität oder aus anderen rechtlichen Gründen unzulässig wäre, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren einzustellen.

Das Verfahren ist ebenfalls einzustellen, wenn kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung der Täterin/des Täters besteht. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Täterin/der Täter schon während den Ermittlungen nachweisen kann, dass sie/er die ihr/ihm angelastete Tat nicht begangen haben kann, weil sie/er zum Tatzeitpunkt im Krankenhaus war.

Die Staatsanwaltschaft hat außerdem die Möglichkeit, die Verfolgung von Straftaten, die nur mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von nicht mehr als drei Jahren bedroht ist, einzustellen, wenn die Straftat als “geringfügig” anzusehen ist. Dies ist dann der Fall, wenn – in Anbetracht der Schuld, der Folgen der Tat und dem Verhalten der Täterin/des Täters nach der Tat (insbesondere in Hinblick auf eine allfällige Schadensgutmachung) der Störwert der Tat als gering anzusehen ist und sowohl aus general- als auch spezialpräventiven Erwägungen die weitere Verfolgung der Täterin/des Täters nicht erforderlich erscheint.

Des Weiteren kennt die österreichische Strafprozessordnung die Möglichkeit der Einstellung der Verfolgung einzelner Straftaten, wenn der Täterin/dem Täter insgesamt mehrere Straftaten zur Last gelegt werden und die Verfolgung einer einzelnen Straftat auf eine zukünftige Verurteilung der Täterin/des Täters voraussichtlich keinen Einfluss haben wird. Dies könnte beispielsweise der Fall sein, wenn eine Täterin/ein Täter mehrere schwere Raubüberfälle begangen hat und im Zuge dessen an einem Tatort eine einfache Sachbeschädigung begangen hat.

Was kann ich als Opfer gegen eine Einstellung des Verfahrens tun?
Die Staatsanwaltschaft hat neben der Täterin/dem Täter und der Kriminalpolizei jedenfalls auch das Opfer von einer Einstellung zu verständigen. Jedes Opfer hat das Recht binnen 14 Tagen ab Erhalt der Einstellungsbenachrichtigung eine Begründung zu verlangen, in der die Tatsachen und Erwägungen, aufgrund derer die Einstellung erfolgte, näher erläutert werden.

Nach Erhalt der Einstellungsbegründung hat das Opfer die Möglichkeit binnen 14 Tagen die Fortführung des eingestellten Verfahrens zu beantragen. Wichtig ist, dass der Fortführungsantrag begründet wird und genau angegeben wird, warum die Einstellung zu Unrecht erfolgte.

Eine Fortführung des Verfahrens ist möglich wenn die Einstellung rechtswidrig erfolgte oder erhebliche Bedenken gegen die Richtigkeit jener Tatsachen bestehen, die der Entscheidung über die Beendigung des Verfahrens zu Grunde gelegt wurden. Letzteres kann der Fall sein, wenn die Beweisergebnisse überwiegend die Schuld der Täterin/des Täters nahe legen oder notwendige Ermittlungsmaßnahmen nicht gesetzt wurden.

Auch dann, wenn sich neue Tatsachen oder Beweismittel, die noch nicht berücksichtigt wurden, ergeben, die geeignet erscheinen, den Sachverhalt soweit zu klären, dass doch mit einer Anklage bei Gericht oder mit einer diversionellen Erledigung vorgegangen werden kann, liegt ein zu berücksichtigender Fortführungsgrund vor.

Der Fortführungsantrag wird an die Staatsanwaltschaft gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat die Möglichkeit das Verfahren sofort fortzusetzen, wenn sie den Antrag für berechtigt hält.

Andernfalls gibt die Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme zum Fortführungsantrag ab und übermittelt den Akt an das Gericht, das in weiterer Folge über die Stattgebung oder Abweisung des Fortführungsantrags entscheidet.

Wird der Antrag auf Fortführung zurück- oder abgewiesen, so hat die Antragstellerin/der Antragsteller einen Pauschalkostenbeitrag in Höhe von EUR 90,— zu bezahlen.

Ihre Rechte als Opfer:

  • Sie haben das Recht über die Einstellung des Verfahrens verständigt zu werden.
  • Sie haben das Recht innerhalb von 14 Tagen einen Antrag auf Fortführung des Verfahrens zu stellen. Besprechen Sie das zuvor mit Ihrer juristischen Prozessbegleitung oder Ihrer rechtlichen Vertretung!
  • Sie haben das Recht innerhalb von 14 Tagen eine ausführliche Begründung für die Einstellung des Verfahrens anzufordern. Dadurch wird die Frist für den Fortführungsantrag verlängert.
Die Gerichtsverhandlung

Was geschieht nach der Erhebung einer Anklage?
Mit Erhebung der Anklage wird der Ermittlungsakt an das Gericht übergeben. Die Richterin/Der Richter übermittelt die Anklage an die Angeklagte/den Angeklagten und setzt dann einen Termin für die Hauptverhandlung fest. Von diesem Termin sind die Angeklagte/der Angeklagte, die Staatsanwaltschaft und das Opfer zu informieren bzw. deren jeweilige VertreterInnen.

Wozu findet eine Hauptverhandlung statt?
Die Hauptverhandlung dient der Beweisaufnahme durch das Gericht. Die Richterin/Der Richter muss die Wahrheit erforschen und alle hierfür notwendigen Beweise aufnehmen. Am Ende der Hauptverhandlung muss für sie/ihn geklärt sein, ob die Angeklagte/der Angeklagte die ihr/ihm angelastete Tat begangen hat oder nicht.

Wie viele RichterInnen nehmen am Verfahren teil?
Je nach Schwere der angeklagten Straftat entscheidet (welche Gerichte?)

  • eine Einzelrichterin/ein Einzelrichter
  • ein Schöffensenat, bestehend aus einer Berufsrichterin/einem Berufsrichter und zwei LaienrichterInnen, die gemeinsam über die Schuld und die Höhe der Strafe der Täterin/des Täters entscheiden
  • ein Geschworenengericht, das aus drei BerufsrichterInnen und acht Geschworenen besteht, wobei die Geschworenen zunächst über die Schuld der Täterin/des Täters entscheiden und anschließend zusammen mit den BerufsrichterInnen die Strafhöhe bestimmen

Wie viele Personen sind im Gerichtssaal anwesend?
Im Gerichtssaal befinden sich – neben der Richterin/dem Richter bzw. dem Senat – die Täterin/der Täter, ihr/sein Verteidiger sowie eine Staatsanwältin/ein Staatsanwalt. Die Richterin/Der Richter bzw. der Senat sitzt zumeist auf einem etwas erhöhten Podest. Neben dieser/diesem können Gerichtsbedienstete, gegebenenfalls auch DolmetscherInnen oder Sachverständige sitzen. Die Staatsanwältin/Der Staatsanwalt sitzt rechts, die/der Angeklagte und seine Verteidigerin/sein Verteidiger sind links vom Podest. ZeugInnen nehmen während ihrer Vernehmung in der Mitte des Raumes, gegenüber von der Richterin/dem Richters Platz. Zuhörer sitzen im hinteren Teil des Saales.

Muss ich als Opfer vor Gericht aussagen, wenn ich eine Zeugenladung bekomme?
ZeugInnen bzw. Opfer einer Straftat müssen einer Ladung zur Gerichtsverhandlung Folge leisten und eine Aussage über ihre Wahrnehmungen machen. Erscheint eine Zeugin/ein Zeugen trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht, so hat das Gericht die Möglichkeit eine Ordnungsstrafe (bis EUR 1.000,—) zu verhängen. Des Weiteren kann das Gericht zur nächsten Hauptverhandlung die Vorführung der Zeugin/des Zeugen durch die Polizei anordnen.
ZeugInnen sind verpflichtet richtig und vollständig auszusagen. Eine Falschaussage ist gerichtlich strafbar. Nur bei Vorliegen bestimmter Umstände wie beispielsweise der Verwandtschaft mit der Angeklagten/dem Angeklagten, kann sich die Zeugin/der Zeuge der Aussage entschlagen (siehe Was passiert, wenn ich die Verhandlung versäume?).

Ihre Rechte als Opfer:
Siehe Ihre ZeugInnenvernehmung.

Grundsätze der Hauptverhandlung

Welche Grundsätze gibt es im österreichischen Strafverfahren?

  • Im österreichischen Strafprozessrecht gilt der Grundsatz der Objektivität und Wahrheitserforschung. Das bedeutet, dass alle RichterInnen, StaatsanwältInnen und die Kriminalpolizei ihr Amt unparteilich und unvoreingenommen ausüben müssen. Sie sind dazu verpflichtet, sowohl jene Umstände, die der Belastung, als auch Umstände, die der Entlastung der Täterin/des Täters dienen, zu ermitteln.
  • Bei der Ausübung ihrer Befugnisse dürfen RichterInnen, StaatsanwältInnen und die Kriminalpolizei nur soweit in die Rechte der/des Beschuldigten eingreifen, soweit dies ausdrücklich im Gesetz vorgesehen und zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlich ist. Dabei gilt es immer zu berücksichtigen, dass jede Rechtsgutbeeinträchtigung in einem angemessenen Verhältnis zum Gewicht der Straftat und zum Grad des Verdachts gegen die/den Beschuldigten stehen muss (= Grundsatz der Gesetz- und Verhältnismäßigkeit).
  • Neben zahlreichen Opferrechten kennt die österreichische Strafprozessordnung auch umfangreiche Beschuldigtenrechte. So hat die/der Beschuldigte insbesondere das Recht, am gesamten Verfahren mitzuwirken. Niemand darf wegen einer Straftat verurteilt werden, wenn sie/er nicht die Gelegenheit hatte, sich dazu zu äußern. Sie/Er muss über alle gegen sie/ihn vorliegenden Verdachtsgründe erfahren und Gelegenheit zu deren Beseitigung und Rechtfertigung bekommen.
  • Im Strafverfahren gilt der Grundsatz der Mündlichkeit. Das bedeutet, dass alle Umstände, die zur Aufklärung der Straftat beitragen, in der Gerichtsverhandlung vorkommen müssen. Daher müssen grundsätzlich auch alle ZeugInnen in der Verhandlung aussagen auch wenn sie bereits eine Aussage vor der Kriminalpolizei dazu gemacht haben.
  • Gerichtsverhandlungen sind grundsätzlich öffentlich. In bestimmten Fällen kann dieÖffentlichkeit aber ganz oder zum Teil von der Verhandlung ausgeschlossen werden. Ein Ausschluss der Öffentlichkeit kann beispielsweise dann erfolgen, wenn persönliche Lebensbereiche der/des Angeklagten, des Opfers oder einer Zeugin/eines Zeugen erörtert werden. Auch zum Schutz der Identität einer Zeugin/eines Zeugen oder eines Dritten kann die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Die Urteilsverkündung muss aber jedenfalls öffentlich erfolgen.
  • Im österreichischen Strafprozessrecht ist auch der Grundsatz der Beschleunigung zu beachten. Ein Verfahren ist stets zügig und ohne unnötige Verzögerung durchzuführen.
Ihre Ladung zur Hauptverhandlung

Lesen Sie sich die Ladung genau durch (Dokument Ladung)

  • Es ist ratsam, mindestens 25 Minuten vor Ihrem Ladungstermin zu kommen, da es bei der Sicherheitskontrolle zu Verzögerungen kommen könnte.
  • Bringen Sie keine spitzen Gegenstände oder Flüssigkeiten mit, allenfalls müssen Sie solche bei der Sicherheitskontrolle des Eingangsbereiches abgeben. Es gelten ähnliche Regeln wie am Flughafen.
  • Warten Sie, bis Sie von der Richterin/dem Richter aufgerufen werden. Dann erst dürfen Sie den Gerichtssaal betreten.
  • Wenn Sie Angst haben, auf die Beschuldigte/den Beschuldigten zu treffen, kontaktieren Sie rechtzeitig eine Opferhilfeorganisation. Eine Mitarbeiterin/ein Mitarbeiter kann Sie begleiten und mit Ihnen an einem Ort warten, wo Sie vor einer Begegnung mit der Beschuldigten/dem Beschuldigten sicher sind (siehe auch Das Recht nicht mit der Beschuldigten/dem Beschuldigten zusammenzutreffen
  • Es kommt häufig vor, dass eine Verhandlung verspätet beginnt. Rechnen Sie mit Wartezeiten und bringen Sie eine Person Ihres Vertrauens mit, die Sie währenddessen unterstützen kann.
Was passiert, wenn ich die Verhandlung versäume?
Grundsätzlich sind Sie als Zeugin/Zeuge bzw.
Opfer einer Straftat verpflichtet einer Ladung zur Gerichtsverhandlung Folge leisten. Erscheinen Sie trotz ordnungsgemäßer Ladung nicht, so hat das Gericht die Möglichkeit eine Ordnungsstrafe (bis EUR 1.000,—) zu verhängen.
Des Weiteren kann das Gericht zur nächsten Hauptverhandlung die Vorführung der Zeugin/des Zeugen durch die Polizei anordnen.
Wenn Sie im vorhinein schon wissen, dass Sie an diesem Tag beispielsweise im Ausland sind, oder wegen Krankheit den Termin nicht wahrnehmen können, informieren Sie bitte rechtzeitig das Gericht. Ein kurzer Anruf bei Gericht kann Ihnen diese Unannehmlichkeiten ersparen.
Im Gerichtssaal
öffnen - Ein Zimmer Anhörungen

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie das erste Mal als Zeugin/Zeuge vor Gericht aussagen müssen, ist es vollkommen normal, wenn Sie nervös oder unsicher sind. Um Sie auf diese neue Situation ein wenig vorzubereiten, erklären wir Ihnen im Folgenden kurz, was Sie nach dem Betreten im Gerichtssaal erwartet:

Wenn Sie über die Sprechanlage mit dem Namen aufgerufen werden, betreten Sie den Gerichtssaal. In der Mitte befindet sich ein kleiner Tisch mit Stuhl, an dem Sie Platz nehmen. Normalerweise werden Sie sofort nach dem Eintreten von der Richterin/vom Richter begrüßt. Wenn Sie Ihren Platz nicht gleich finden, wird Ihnen die/der Richter/in helfen.

Vor Ihnen ist ein großer Tisch, an dem der/die Richter/in sitzt. Sie erkennen die/den Richter/in daran, dass er/sie einen schwarzen Talar mit in der Regel violettem Samtkragen trägt.

Neben der Richterin/dem Richter können je nach Verfahrensart noch weitere RichterInnen sitzten und ein/e Schriftführer/in, die alles mitschreibt. Vielleicht sitzt am großen Tisch vor Ihnen auch noch ein/e Rechtspraktikant/in, die/der im Rahmen ihrer/seiner Ausbildung der Verhandlung zuschaut.

Links von Ihnen steht ein weiterer Tisch, an dem die/der Staatsanwältin/Staatsanwalt sitzt. Auch sie/er ist leicht am schwarzen Talar erkennbar, hat aber am Kragen keinen violetten Samt wie der/die Richter/in, sondern einen roten Kragen. Neben der Staatsanwältin/dem Staatsanwalt würde Ihre Anwältin/Ihr Anwalt sitzen, wenn Sie anwaltlich vertreten sind.

Rechts von Ihnen steht ebenfalls ein Tisch, an dem die/der Verteidiger/in des Angeklagten sitzt. Wenn mehrere Angeklagte im selben Verfahren angeklagt wurden, können hier mitunter auch mehrere Anwälte sitzen.

Erschrecken Sie nicht, auch der Angeklagte ist im Saal anwesend, wenn er nicht vorher hinausgeschickt wurde. Er sitzt auf der sogenannten “Anklagebank”, das ist eine Sitzbank direkt vor seinem Verteidiger. Ist der Angeklagte zur Verhandlung aus der Justizanstalt vorgeführt worden, sitzt neben ihm ein bewaffneter Justizwachebeamter, der für die Sicherheit im Gerichtssaal sorgt.

Hinter Ihrem Tischchen können noch Zuschauerbänke sein und natürlich auch ZuschauerInnen sitzen, da die Verhandlung normalerweise öffentlich ist. Es gibt bei bestimmten Delikten (zB Sexualstraftaten) aber Ausnahmen. Auf diesen Zuschauerbänken dürfen auch Sie nach Ihrer Aussage Platz nehmen, wenn Sie der Verhandlung bis zum Ende zuschauen möchten. Das müssen Sie aber nicht.


Ein Tipp gegen die Nervosität:

Schauen Sie sich ein paar Tage vor Ihrer Verhandlung einen Gerichtssaal an, indem Sie eine andere Verhandlung als Zuhörerin/Zuhörer besuchen. Dann lernen Sie auch bereits die Abläufe kennen und finden sich leichter zurecht.

Ihre Rechte als Opfer
Siehe Die Gerichtsverhandlung

(Schöffengericht)

(Geschworenengericht)

(EinzelrichterIn)

Bild Einzelrichter_in Gericht

Bild Schöffengericht

Bild Geschworenengericht

Ablauf der Verhandlung

Wie kann ich mir den Ablauf einer Gerichtsverhandlung vorstellen?

Zu Beginn einer Strafverhandlung ruft die Richterin/der Richter den Fall auf (“Strafsache gegen Max Mustermann”). Alle Beteiligten betreten dann den Saal und nehmen Platz. Wichtig: Die Zeugen müssen draußen warten!

Danach trägt die Staatsanwältin/der Staatsanwalt die Anklage vor. Die Verteidigerin/der Verteidiger kann anschließend daran einen Gegenvortrag halten.

Anschließend wird die Täterin/der Täter von der Richterin/dem Richter zu persönlichen Daten und zur angeklagten Straftat befragt. Außerdem hat die Richterin/der Richter die Täterin/den Täter zu den gegen sie/ihn erhobenen Privatbeteiligtenansprüchen zu befragen. Dabei wird die Täterin/der Täter dazu aufgefordert anzugeben, ob und in welchem Umfang sie/er den Anspruch, den das Opfer gegen sie/ihn geltend macht, anerkennt.

Danach beginnt das Beweisverfahren:
Die Richterin/der Richter ruft nacheinander die geladenen ZeugInnen auf und befragt diese zu ihren Wahrnehmungen und Erinnerungen an die angeklagte Straftat. Wird das Opfer als Zeugin/Zeuge vernommen, stellt die Richterin/der Richter auch Fragen zu den erlittenen Schäden und fordert das Opfer auf, seinen Schadenersatzanspruch gegenüber der Täterin/dem Täter zu beziffern. Zur Vernehmung siehe Ihre ZeugInnenvernehmung

Nachdem alle Beweise, die zur Aufklärung der angeklagten Straftat beitragen, aufgenommen wurden, schließt die Richterin/der Richter das Beweisverfahren.

Die Staatsanwältin/der Staatsanwalt hält den Schlussvortrag; danach kann die Privatbeteiligtenvertreterin/der Privatbeteiligtenvertreter ein Abschlussplädoyer halten. Anschließend hält die Verteidigerin/der Verteidiger ihren/seinen Schlussvortrag.

Auch die Täterin/der Täter hat die Möglichkeit, abschließende Worte an die Richterin/den Richter zu richten.

Die Richterin/der Richter kann sich dann kurz zurückziehen oder gleich das Urteil verkünden. Dazu stehen alle Anwesenden im Saal auf. Das Urteil der Richterin/des Richters könnte zB so lauten:
“Im Namen der Republik!

Max Mustermann ist schuldig, er hat am 01.01.2011 in Wien Frau XY dadurch gefährlich bedroht, dass er zu Ihr gesagt hat “Ich bringe dich um!”, und Frau XY dadurch in Furcht und Unruhe versetzt.

Er hat hierdurch das Vergehen der gefährlichen Drohung nach § 107 Absatz 1 StGB      begangen und ist zu einer Freiheitsstrafe von einem Monat verurteilt.”

Nach der Urteilsverkündung erläutert die Richterin/der Richter die wesentlichen             Entscheidungsgründe und belehrt die Täterin/den Täter über ihre/seine Möglichkeiten, ein      Rechtsmittel gegen dieses Urteil zu erheben (mehr dazu:  Das Urteil).

Je nach der technischen Ausstattung des Gerichtssaals werden Gerichtsverhandlungen auf Tonband und Video aufgezeichnet und anschließend in ein schriftliches Protokoll übertragen. Ist eine Video- oder Tonaufzeichnung nicht möglich, wird der Richterin/dem Richter ein Schriftführer bereitgestellt, der die gesamte Verhandlung mitprotokolliert.

Ihre ZeugInnenvernehmung

Wie verläuft eine Zeugenvernehmung?
Als Zeugin/Zeuge müssen Sie vor dem Gerichtssaal warten, bis Sie aufgerufen werden. Wenn Sie aufgerufen wurden, treten Sie ein und setzen sich auf den kleinen Tisch in der Mitte des Saals, direkt gegenüber der Richterin/des Richters (siehe dazu: Im Gerichtssaal).

Zunächst prüft die Richterin/der Richter Ihre Identität, fragt Sie nach dem Namen, Geburtsdatum und Ihrer Adresse. 
Sind Ihre Daten geklärt, wird Sie die Richterin/der Richter darüber belehren, dass Sie die Wahrheit sagen müssen.

Dann beginnt der wichtigste Teil Ihrer Vernehmung. Sie werden über die Tat selbst gefragt. Jetzt dürfen Sie erzählen, was Sie erlebt oder gesehen haben. Es ist wichtig, wahrheitsgemäß auszusagen und keine wichtigen Details zu verschweigen. Wenn die Richterin/der Richter etwas genauer wissen möchte, wird er Ihnen dazu auch detaillierte Fragen stellen. Als Erinnerungsstütze können Sie selbstverständlich auch eigene Notizen oder Urkunden zur Befragung mitnehmen. Die Richterin/der Richter kann Ihnen auch Aussagen von anderen ZeugInnen vorhalten oder Ihnen Urkunden oder Bilder zeigen. Werden Sie nicht nervös, die Richterin/der Richter möchte nur wissen, was geschehen ist.

Möchten Sie als Opfer Schadenersatz vom Täter, wird Sie die Richterin/der Richter auch dazu befragen. Spätestens jetzt müssen Sie oder ihre rechtliche Vertretung ( siehe Die Opfervertreterin/Der Opfervertreter) bzw. ihre juristische Prozessbegleitung einen konkreten Betrag (!) nennen. Die Richterin/der Richter entscheidet dann im Urteil auch gleich über Ihren Schadenersatz.

Wenn die Richterin/der Richter mit ihrer/seiner Befragung fertig ist, hat die Staatsanwältin/der Staatsanwalt die Möglichkeit zusätzliche Fragen an die Zeugin/den Zeugen zu stellen. Danach kann die Privatbeteiligtenverterin/der Privatbeteiligtenvertreter an die Zeugin/den Zeugen Fragen stellen. Dann hat die/der Verteidiger/in noch ein Fragerecht. Auch die/der Angeklagte darf Ihnen Fragen stellen. Wenn die Frage eigentlich nichts mit der Tat zu tun hat oder Sie die/der Angeklagte beleidigt, antworten Sie nicht darauf. Die Richterin/der Richter wird die Angeklagte/den Angeklagten zurecht weisen.

Lassen Sie sich auf keinen Fall auf einen Streit mit der/dem Angeklagten oder der/dem Verteidiger/in ein!

Muss ich zu Gericht kommen, wenn ich gebrechlich bin oder weit weg wohne?
Wenn Sie wegen ihres Alters, einer Krankheit oder aus anderen erheblichen Gründen (zB bei Wohnsitz im Ausland) nicht in der Lage sind vor Gericht zu erscheinen, besteht die Möglichkeit, Sie per Videoübertragung zu vernehmen. Auf diese Weise erübrigt sich ein persönliches Erscheinen vor Gericht.

Was kann ich als Opfer tun, wenn ich Angst vor der Verhandlung habe?
Jedes Opfer hat die Möglichkeit sich von einer Vertrauensperson zur Gerichtsverhandlung begleiten zu lassen. 
Opfer von Gewalt, gefährlicher Drohung oder Sexualstraftaten können eine Vernehmung in Abwesenheit der Angeklagten/des Angeklagten beantragen. Sie werden dann in einem von der Täterin/dem Täter abgetrennten Raum von der Richterin/dem Richter oder einer Psychologin/einem Psychologen vernommen. Die Vernehmung wird per Video in den Gerichtssaal übertragen. Die/Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft können die Vernehmung am Bildschirm verfolgen und über die Richterin/den Richter Fragen an das Opfer stellen. In vielen Fällen findet eine solche Einvernahme schon im Ermitllungsverfahren statt (kontradiktorische Einvernahme). In diesen Fällen erspart sich das Opfer dann das neuerliche Erscheinen vor Gericht.

Nur in Ausnahmefällen kann die Richterin/der Richter die Angeklagte/den Angeklagten während der Vernehmung aus dem Gerichtssaal entfernen lassen. Nach Beendigung der Befragung muss die Richterin/der Richter die Täterin/den Täter aber über die Zeugenaussage in Kenntnis setzen und sie/ihn über alles informieren, was in ihrer/seiner Abwesenheit geschehen ist.

Gibt es die Möglichkeit anonym auszusagen?
Wer als Zeugin/Zeuge in einem Strafverfahren befürchtet, dass sie/er sich oder eine dritte Person einer ernsten Gefahr für Leben, Gesundheit oder Freiheit aussetzen, kann eine anonyme Aussage machen. In diesem Fall ist die Zeugin/der Zeuge nicht verpflichtet, Antworten zu geben, die Rückschlüsse auf ihre/seine Identität oder die einer dritten Person zulassen. In solchen Fällen wird daher der Name der Zeugin/des Zeugen nicht genannt und die Zeugin/der Zeuge hat die Möglichkeit, sein äußeres Erscheinungsbild zu verändern. Allerdings muss das Mienenspiel für das Gericht weiterhin erkennbar bleiben, weil dies für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Aussage unerlässlich ist.

Muss ich die Kosten für Anreise und Verpflegung selbst tragen?
Reisekosten, die durch die Hin- und Rückfahrt zum bzw. vom Gericht entstehen, werden rückerstattet. Kommt es durch die Zeitversäumnis zu Einnahmeeinbußen, so werden auch diese ersetzt. Wenn eine Zeugin/ein Zeuge an einem Ort übernachten und dort Mahlzeiten einnehmen muss, werden auch diese Kosten bis zu einem bestimmten Betrag ersetzt. Die Ansprüche sind binnen 14 Tagen geltend zu machen.

Ihre Rechte als Opfer:

  • Das Gericht muss auf Ihre Rechte und Interessen angemessen Bedacht nehmen.
  • Ihre Rechte und Interessen müssen bei einer Entscheidung über Diversion berücksichtigt werden
  • Wenn Sie Opfer von Gewalt, gefährlicher Drohung oder eines sexualisierten Deliktes geworden sind, muss im Zusammenhang mit der abgesonderten schonenden Vernehmung durch Bild- und Tonübertragung ein Zusammentreffen zwischen der/dem Beschuldigten und Ihnen vermieden werden.
  • Wenn Sie wegen Ihres Alter, wegen einer Krankheit oder Gebrechlichkeit oder aus sonst erheblichen Gründen nicht in der Lage sind, bei Gericht zu erscheinen, können Sie unter Verwendung technischer Einrichtungen zur Wort- und Bildübertragung an einem anderen Ort vernommen werden.
  • Bei Anwesenheit anderer Personen ist darauf zu achten, dass Ihre persönlichen Verhältnisse nicht bekannt werden.
  • Zum Schutz Ihrer Privatsphäre sind Fernseh- und Hörfunkaufnahmen und -übertragungen sowie von Film und Fotoaufnahmen von Verhandlungen verboten.
  • Vor Erörterung Ihres persönlichen Lebens- oder Geheimnisbereiches, kann von Amts wegen oder auf Antrag die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Sprechen Sie mit Ihrer juristischen Prozessbegleitung oder Ihrer rechtlichen Vertretung darüber. Bei Ausschluss der Öffentlichkeit in der Hauptverhandlung haben Sie das Recht drei Personen Ihres Vertrauens beizuziehen.
  • Sie haben das Recht eine Vertrauensperson zur Vernehmung in der Hauptverhandlung mitzunehmen, um Sie zu unterstützen. Die Aussage müssen Sie allerdings alleine machen.
  • Ausnahmsweise kann die Richterin/der Richter die Angeklagte/ den Angeklagten aus dem Gerichtssaal abtreten lassen.
  • Sie haben das Recht sich vertreten zu lassen.
  • Wenn Sie Opfer von Gewalt, gefährlicher Drohung oder eines sexualisierten Deliktes geworden sind, haben Sie Anspruch auf juristische und psychosoziale Prozessbegleitung. Diese wird Ihnen über eine Opferhilfeorganisation gewährt.
  • Sie haben das Recht auf Übersetzungshilfe, wenn es notwendig ist.
  • Ihre Wiedergutmachungsinteressen müssen geprüft und gefördert werden.
  • Sie haben das Recht sich bis zum Ende des Beweisverfahrens als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter dem Verfahren anzuschließen.
  • Soweit es möglich ist, muss das Gericht das Ausmaß und den Schaden amtswegig feststellen.

Ihre Rechte als Privatbeteiligte/ Privatbeteiligter:
Wenn Sie in einem Strafverfahren (wie in den meisten Fällen üblich) Die/Der Privatbeteiligte sind, haben Sie noch zusätzliche Rechte, die Sie geltend machen können.

  • Sie können Beweisanträge stellen.
  • Sie können die Anklage bei Rücktritt der Staatsanwaltschaft aufrechterhalten (Subsidiaranklägerin/Subsidiarankläger).
  • Sie können sich gegen gerichtliche Beschlüsse beschweren.
  • Sie haben das Recht zur Hauptverhandlung geladen zu werden, auch wenn Sie nicht aussagen müssen und die Gelegenheit, Ihre Ansprüche auszuführen und zu begründen
  • Wenn bei einem Schuldspruch nicht über Ihre privatrechtlichen Ansprüche entschieden wurde, können Sie dagegen Berufung erheben.
  • Bei einem Freispruch können Sie eine Beschwerde wegen Nichtigkeit ergreifen, sofern das gesetzlich möglich ist.
10 Tipps für ZeugInnen und Opfer
  • Haben Sie keine Angst vor der Vernehmung! Sie sind hier nicht in der Position der Angeklagten/des Angeklagten. Ihre Aufgabe als Zeugin/Zeuge ist es, das zu erzählen, was Sie selber gesehen haben.
  • Hören Sie aufmerksam der Frage zu!
  • Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie antworten!
  • Beantworten Sie ruhig und klar die Fragen!
  • Sagen Sie nur, was Sie aus eigener Wahrnehmung wissen!
  • Wenn Sie sich an etwas nicht mehr erinnern können, geben Sie dies ruhig zu. Es ist normal, dass Sie sich an Details vielleicht nicht mehr erinnern können, aber erfinden Sie nichts dazu.
  • Haben Sie keine Angst vor den Fragen des Verteidigers. Manche Fragen sind vielleicht Teil der Verteidigungsstrategie. Es ist schließlich seine Aufgabe, seinen Mandanten zu vertreten.
  • Nach der Vernehmung können Sie den Gerichtsaal verlassen oder auch bis zum Ende der Verhandlung im Zuschauerraum Platz nehmen.
  • Wird die Angeklagte/der Angeklagte freigesprochen, nehmen Sie dies nicht persönlich. Es bedeutet nicht automatisch, dass der Richter Ihnen nicht geglaubt hat. Häufig ist die Beweislage nicht ausreichend, entsprechend gesetzlicher Vorschriften.
  • Wenn Sie vor oder nach Ihrer Vernehmung bedroht oder angegriffen werden, melden Sie dies sofort dem Richter oder der Polizei!
Wenn Sie noch Fragen haben

Wenden Sie sich bitte an:

Weisser Ring Kriminalitätsopferhilfe

Nußdorfer Straße 67/7
A-1090 Wien
Tel: 01 / 712 14 05
Fax: 01 / 718 83 74
Email: Office@Weisser-Ring.at
Öffnungszeiten: Mo – Do: 9:00-16:00 Uhr, Fr: 9:00-15:00 Uhr

oder

Opfer-Notruf
0800 112 112
www.opfernotruf.at

Das Urteil

Wann fällt das Gericht sein Urteil und woraus besteht es?
Jedes Strafurteil wird nach Schluss der mündlichen Verhandlung verkündet. Das Gericht gibt bekannt, ob die Angeklagte/der Angeklagte der ihr/ihm angelasteten Tat für schuldig befunden wurde. In der Begründung muss ausgeführt werden, auf welche Beweismittel das Gericht seine Entscheidung gründet und warum beispielsweise den Angaben von manchen ZeugInnen Glauben geschenkt wurde und die gegenteilige Aussage von anderen für unglaubwürdig befunden wurde.

Erfolgt ein Schuldspruch, so hat die Richterin/der Richter auch die Strafe festzusetzen und deren Art und Höhe zu begründen.

Neben der eigentlichen Strafe kann die Täterin/der Täter im Urteil auch zur Erfüllung bestimmter Aufgaben verpflichtet werden. So können ihr/ihm beispielsweise die Weisung erteilt werden eine Therapie zu absolvieren oder Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Täterin/der Täter wird im Falle eines Schuldspruches in der Regel auch zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurteilt.

Hat sich ein Opfer dem Verfahren als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter angeschlossen und einen bestimmten Betrag als Schadenersatz geltend gemacht, ist im Urteil auch auszusprechen, ob und in welchem Umfang die Täterin/der Täter Schadenersatz leisten muss oder ob die/der Privatbeteiligte mit ihren/seinen Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen wird.

Jedes Urteil wird in seinen wesentlichen Punkten auch schriftlich ausgefertigt und der/dem Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und der/dem Privatbeteiligten zugestellt. Eine ausführliche, schriftliche Ausfertigung des Urteils erfolgt nur dann, wenn eine besonders hohe Strafe verhängt wurde oder ein Rechtsmittel angemeldet wird.

Welche Strafen gibt es?
Die Täterin/der Täter kann entweder zu einer Geldstrafe oder zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine Geldstrafe mit einer Freiheitsstrafe kombiniert werden. Das Gesetz umschreibt für jedes Delikt einen eigenen Strafrahmen, innerhalb welchem die Richterin/der Richter die Strafhöhe im Einzelfall festsetzen kann.
Freiheitsstrafen werden entweder auf Lebenszeit oder auf bestimmte Zeit verhängt. Die Dauer einer zeitlichen Freiheitsstrafe muss mindestens einen Tag betragen. Die Maximaldauer liegt bei zwanzig Jahren oder Lebenszeit.
Eine Geldstrafe ist in so genannten Tagessätzen zu bemessen und beträgt zumindest zwei Tagessätze. Die Höhe des einzelnen Tagessatzes richtet sich nach den persönlichen Verhältnissen und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Täterin/des Täters.
Multipliziert man die Höhe des einzelnen Tagessatzes mit der Anzahl der Tagessätze, erhält man die gesamte Höhe der Geldstrafe. Geldstrafen werden nicht an das Opfer bezahlt.

Wird eine Geldstrafe verhängt, muss im Urteil für den Fall, dass diese nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe festgelegt werden. Zwei Tagessätze entsprechen einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe. Kann die Täterin/der Täter die Geldstrafe nicht bezahlen, gibt es – bevor sie/er die Ersatzfreiheitsstrafe antreten muss – die Möglichkeit, dass die Täterin/der Täter ihre/seine Geldstrafe in Form von gemeinnütziger Leistungen abarbeitet.

Wird eine Strafe immer sofort vollzogen?
Das Gesetz bietet der Richterin/dem Richter auch die Möglichkeit im Einzelfall vom Vollzug einer Strafe vorerst abzusehen, wenn die bloße Androhung des Übels ausreichend erscheint, um die Täterin/den Täter von der Begehung weiterer Straftaten abhält. Man spricht in diesem Fall von einer bedingten Strafnachsicht. Bei Freiheitsstrafen ist dies nur dann möglich, wenn die verhängte Strafe nicht das Ausmaß von 2 Jahren übersteigt. Bei Geldstrafen kann maximal die Hälfte bedingt nachgesehen werden.

Konkret setzt die Richterin/der Richter eine Probezeit von bis zu drei Jahren fest. Innerhalb dieser Frist muss sich die Täterin/der Täter bewähren, das heißt sie/er darf keine weiteren Straftaten begehen. Wird die Verurteilt/der Verurteilte innerhalb der Probezeit erneut straffällig, so kann der Vollzug der vorerst nachgesehenen Strafe angeordnet werden. Bewährt sich die Täterin/der Täter wird die Strafe nach Ablauf der Probezeit endgültig nachgesehen und kann dann nicht mehr vollzogen werden.

Die bedingte Strafnachsicht wird häufig mit der Anordnung von Bewährungshilfe für die Dauer der Probezeit und/oder der Erteilung von Weisungen kombiniert. Der Täterin/dem Täter kann dabei beispielsweise aufgetragen werden, den Umgang mit bestimmten Personen zu meiden, sich alkoholischer Getränke zu enthalten, einen Beruf zu erlernen oder den aus seiner Tat entstandenen Schaden gutzumachen.

Mit Zustimmung der Täterin/des Täters kann ihr/ihm auch aufgetragen werden, sich einer Entwöhnungsbehandlung oder einer psychotherapeutischen/medizinischen Behandlung zu unterziehen. Die Einhaltung der Weisung hat die Täterin/der Täter in regelmäßigen Abständen dem Gericht zu belegen.

Nach welchen Kriterien legt das Gericht die Strafhöhe fest? 
Ausgehend von der im Gesetz für jedes Delikt festgesetzten Strafdrohung hat das Gericht die Strafe an der Schuld der Täterin/des Täters zu bemessen. Die Richterin/der Richter ist dabei nicht frei in seiner Entscheidung, sie/er hat anhand von im Gesetz beispielhaft aufgezählten Erschwerungs- und Milderungsgründen abzuwägen, welche Strafe angemessen ist. Bei der Entscheidungsfindung ist auch auf das künftige Leben der Täterin/des Täters in der Gesellschaft Bedacht zu nehmen. Als erschwerend ist zum Beispiel ein besonders brutales und für das Opfer qualvolles Vorgehen der Täterin/des Täters zu werten. Als mildernd ist heranzuziehen, wenn die Täterin/der Täter bisher noch nie straffällig geworden ist, sich reumütig geständig zeigt und sich ernstlich um eine Schadensgutmachung bemüht.

Ihre Rechte als Opfer bzw. als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter:

  • Wenn bei einem Schuldspruch nicht über Ihre privatrechtlichen Ansprüche entschieden wurde, können Sie dagegen Berufung erheben.
  • Bei einen Freispruch können Sie eine Beschwerde wegen Nichtigkeit ergreifen, sofern das gesetzlich möglich ist.
Beispielurteil_privatbeteiligtenzuspruch.pdf - pdf
Rechtsmittel gegen ein Strafurteil

Wie kann ein Urteil bekämpft werden?
Um die Änderung eines Urteils zu erwirken kann ein Rechtsmittel ergriffen werden. Abhängig davon, welches Gericht das Urteil gefällt hat, stehen verschiedene Arten von Rechtsmitteln zur Verfügung.

Urteile von Schöffen- oder Geschworenengerichten
Gegen ein Urteil des Schöffen- oder Geschworenengerichtes können zwei verschiedene Rechtsmittel erhoben werden:

  • Nichtigkeitsbeschwerde – mit diesem Rechtsmittel können im Gesetz aufgezählte Mängel im Urteil und im Verfahren geltend gemacht werden
  • Berufung – diese richtet sich gegen die Strafe oder den Ausspruch über Schadenersatzansprüche einer/eines Privatbeteiligten

Urteile von EinzelrichterInnen am Bezirks- oder Landesgericht
Hat eine Einzelrichterin/ein Einzelrichter entschieden, so können Fehler im Urteil und im Verfahren ebenso wie Art und Ausmaß der Strafe sowie der Ausspruch über Schadenersatzansprüche einer/eines Privatbeteiligten mit dem Rechtsmittel der Berufung geltend gemacht werden.

Wann ist ein Rechtsmittel anzumelden und auszuführen?
Strafurteile werden nach dem Schluss der Verhandlung von der Richterin/dem Richter mündlich verkündet. Die Nichtigkeitsbeschwerde oder Berufung kann entweder sofort oder binnen 3 Tagen angemeldet werden.

Wird ein Rechtsmittel angemeldet, so muss die Richterin/der Richter das Urteil schriftlich verfassen und der Angeklagten/dem Angeklagten, der Staatsanwaltschaft und gegebenenfalls der/dem Privatbeteiligten zustellen. Binnen 4 Wochen nach Zustellung des Urteils ist dann das angemeldete Rechtsmittel schriftlich auszuführen. Darin ist anzugeben aus welchem Grund das Urteil in welchem Umfang bekämpft wird.

Wo ist das Rechtsmittel einzubringen und wer entscheidet darüber?
Das Rechtsmittel ist bei dem Gericht einzubringen, das das Urteil gefällt hat.

Über Rechtsmittel gegen Urteile eines Bezirksgerichtes entscheidet ein Drei-Richtersenat des Landegerichtes. Berufungen gegen Urteile des Landesgerichtes gehen an das übergeordneteOberlandesgericht. Über eine Nichtigkeitsbeschwerde entscheidet stets der Oberste Gerichtshof.

Das Rechtsmittelgericht prüft, ob das Rechtsmittel rechtzeitig eingebracht wurde und ob erkennbar ist warum das Urteil bekämpft wird. Werden diese formalen Voraussetzungen erfüllt, findet eine öffentliche Verhandlung statt. In dieser entscheidet das Rechtsmittelgericht, ob es das Urteil des Erstgerichtes ändert oder das Rechtsmittel als unbegründet erachtet. Kommt das Rechtsmittelgericht zu dem Ergebnis, dass dem Erstgericht ein Verfahrensfehler unterlaufen ist, kann es in bestimmten Fällen das Urteil auch aufheben und zur neuerlichen Verhandlung an das Erstgericht zurückverweisen. Wurde das Rechtsmittel nur zugunsten der Angeklagten/des Angeklagten erhoben, darf das Rechtsmittelgericht keine strengere Strafe über den Angeklagten verhängen, als das Erstgericht ausgesprochen hat.

Gegen die Entscheidung des Rechtsmittelgerichts ist ein kein weiteres Rechtsmittel zulässig.

Ab wann kann eine Strafe vollzogen werden?
Eine Strafe kann vollzogen werden, wenn das Urteil nicht mehr mit einer Berufung oder einer Nichtigkeitsbeschwerde bekämpft werden kann.
Verzichten alle Beteiligten nach Verkündung des Urteils auf ein Rechtsmittel, so wird das Urteil sofort rechtskräftig, ansonsten muss das Verstreichen der dreitägigen Anmeldefrist abgewartet werden.

Wurde die/der Angeklagte freigesprochen, muss sie/er im Falle einer vorherigen Verhaftung hingegen sofort freigelassen werden, auch wenn Rechtsmittel angemeldet werden.

Wurde die/der Verurteile zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt, hat sie/er diese unverzüglich zu bezahlen. Tut dies die Täterin/der Täter nicht, so wird sie/er vom Gericht aufgefordert dies binnen 14 Tagen zu tun. Kommt die/der Verurteilte dieser Aufforderung nicht nach, wird die Geldstrafe zwangsweise eingetrieben. Ist die Täterin/der Täter wirtschaftlich nicht in der Lage die gesamte Geldstrafe auf einmal zu begleichen, kann ihr/ihm auf Antrag ein Zahlungsaufschub gewährt werden.

Wenn die Täterin/der Täter zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, wird sie/er zunächst aufgefordert die Freiheitsstrafe binnen eines Monats in der Justizanstalt anzutreten. Folgt die Täterin/der Täter dieser Aufforderung nicht, wird sie/er von der Polizei zum Strafantritt vorgeführt.

Wer kann ein Urteil bekämpfen?
Sowohl die Angeklagte/der Angeklagte als auch die Staatsanwältin/der Staatsanwalt können alle aufgezählten Rechtsmittel ergreifen.
Opfer, die sich dem Verfahren zur Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen als Privatbeteiligte angeschlossen haben, können ein Urteil nur insofern bekämpfen, als die von ihnen geltend gemachten Schadenersatzansprüche betroffen sind.
Kann ich als Opfer ein Strafurteil bekämpfen?

Ein Opfer kann ein Urteil nur dann bekämpfen, wenn es sich dem Verfahren mit seinen Schadenersatzansprüchen als Privatbeteiligte/Privatbeteiligter angeschlossen hat und nur insoweit es die von ihr/ihm geltend gemachten Ansprüche betrifft (siehe Die/Der Privatbeteiligte).

Wird die Angeklagte/der Angeklagte schuldig gesprochen, so hat das Gericht grundsätzlich über die Schadenersatzansprüche der/des Privatbeteiligten zu entscheiden. Wird die/der Privatbeteiligte dennoch auf den Zivilrechtsweg verwiesen, kann die/der Privatbeteiligte Berufung erheben und vorbringen, dass die Ergebnisse des Strafverfahrens eine ausreichende Grundlage für einen Schadenersatzzuspruch geboten hätte oder eine Ermittlung der Schadenersatzhöhe das Verfahren nicht unnötig verzögert hätte.

Gegen die Art oder Höhe der Strafe kann die/der Privatbeteiligte kein Rechtsmittel erheben.

Wird die Angeklagte/der Angeklagte freigesprochen, so kann die/der Privatbeteiligte nur dann ein Rechtsmittel ergreifen wenn erkennbar ist, dass die Abweisung eines von ihr/ihm in der Hauptverhandlung gestellten Antrages einen auf die Geltendmachung ihrer/seiner privatrechtlichen Ansprüche nachteiligen Einfluss hatte. Zu denken ist hier an den Fall, dass die/der Privatbeteiligte in der Hauptverhandlung einen Beweisantrag gestellt hat, den das Gericht abgewiesen hat.