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Recht auf Schonung
 
Neben den Regelungen, die einen physischen Schutz des Opfers gewährleisten sollen, gibt es auch Vorkehrungen, die eine möglichst schonende Behandlung des Opfers im Strafverfahren sichern sollen, um die Beeinträchtigungen, die durch eine neuerliche Konfrontation mit der Tat und deren Schilderung einhergehen, möglichst gering zu halten.


  • Die Polizei muss dem Opfer während der Vernehmung die Möglichkeit geben, sich zu setzen. Bei länger andauernde Vernehmungen müssen Pausen ermöglicht werden.
  • Recht auf Beiziehung einer Vertrauensperson
    Jedes Opfer hat das Recht seiner Vernehmung eine Person seines Vertrauens bei zuziehen.
  • Recht auf schonende Behandlung
    Die Kriminalpolizei, die Staatsanwaltschaft und das Gericht sind dazu verpflichtet, auf die Rechte und Interessen der Opfer von Straftaten angemessen Bedacht zu nehmen. Darüber hinaus haben alle im Strafverfahren tätigen Behörden, Einrichtungen und Personen das Opfer während des Verfahrens mit Achtung ihrer persönlichen Würde zu behandeln und deren Interessen und die Wahrung ihres höchstpersönlichen Lebenskreises zu beachten. Die Identität des Opfers ist besonders zu schützen; die Weitergabe von Lichtbildern und die Mitteilung über Angaben zur Person, die zu einem Bekanntwerden der Identität in einem größeren Personenkreis führen könnte, sind nur zulässig, wenn dies durch die Zwecke der Strafrechtspflege geboten ist.
 
     
 
 
     
 
Das Recht nicht mit der Beschuldigten/dem
Beschuldigten zusammenzutreffen
Schließlich kann die vorsitzende Richterin/der vorsitzende Richter die Angeklagte/den Angeklagten während der Anhörung einer Zeugin/eines Zeugen ausnahmsweise aus dem Gerichtssaal abtreten lassen.
Bei ihrer/seiner Rückkehr ist die Angeklagte/der Angeklagte über das inzwischen Geschehene und Gesagte zu informieren.

ACHTUNG:
Diese Maßnahme kann man beantragen, kann aber von der Richterin/vom Richter allenfalls verweigert werden.
 
     
 
 
     
 
Besondere Opfergruppen
Einige Opfergruppen, wie beispielsweise Opfer von sexuell motivierten Straftaten, sind berechtigt, im Strafverfahren erweiterte Schonungsrechte in Anspruch zu nehmen.

Recht auf Beiziehung einer Vertrauensperson
Jedes Opfer hat das Recht eine Vertrauensperson bei Vernehmungen beizuziehen. Werden Personen vernommen, die psychisch krank oder geistig behindert sind, oder die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist jedenfalls eine Vertrauensperson bei zuziehen.

  • Die kontradiktorische Einvernahme (KDV)
    Hierbei findet die Vernehmung in einem getrennten Raum, ohne Anwesenheit der/des Beschuldigten, der Verteidigerin/des Verteidigers, der Staatsanwältin/des Staatsanwaltes und sonstiger Beteiligter bereits im Vorverfahren statt.
    Diese können die Vernehmung lediglich durch Ton- oder Bildübermittlung verfolgen. Falls sie Fragen stellen wollen, muss das über die Richterin/den Richter passieren. Im Raum mit dem Opfer darf nur die Richterin/der Richter und eine Vertrauensperson sein. Der Vorteil dieser Einvernahmeart ist, dass das Opfer in den meisten Fällen nur einmal im Ermittlungsverfahren (vor Anklageerhebung) aussagen muss und eine direkte Konfrontation mit der Täterin/dem Täter nicht ausgesetzt ist. Eine solche kontradiktorische Vernehmung steht allen Opfern von Sexualstraftaten auf Antrag zu.
    Unter 14 jährige Opfer sind auf Antrag kontradiktorisch zu vernehmen. Wenn sie in ihrer Geschlechtssphäre verletzt worden sein könnten, müssen sie auf diese Weise einvernommen werden, allenfalls durch eine Sachverständige/einen Sachverständigen.
  • Weitere Schonungsrechte
    Opfer, die in ihrer sexuellen Integrität verletzt worden sein könnten, haben überdies das Recht, die Beantwortung einzelner Fragen zu verweigern, soweit sie dadurch Einzelheiten der Tat, deren Schilderung sie für unzumutbar halten, preisgeben müssten. Dieses Recht ist allerdings insofern eingeschränkt, als sie für den Fall, dass dies wegen der besonderen Bedeutung ihrer Aussage für den Gegenstand des Verfahrens unerlässlich ist, trotz Weigerung zur Aussage verpflichtet werden können.
    Im Ermittlungsverfahren müssen Opfer von sexualisierter Gewalt nach Möglichkeit von einer Person des gleichen Geschlechts einvernommen werden.
  • Opfer mit psychischen Beeinträchtigungen und besonderen Bedürfnissen
    Wenn diese Opfer einvernommen werden muss unbedingt eine Vertrauensperson hinzugezogen werden.