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Psychisches Trauma
 
Verbrechensopfer müssen in der Regel eine Vielzahl von Konsequenzen bewältigen, die sowohl psychischer als auch physischer Natur sind. Während das Wissen und Bewusstsein über finanzielle Schädigungen und körperliche Verletzungen, die durch eine Straftat hervorgerufen wurden, meist weit verbreitet sind, müssen traumatische Erfahrungen und deren Konsequenzen für Verbrechensopfer meist im Dunkeln bleiben.

Verbrechensopfer, die ein psychisches Trauma erleiden, beschreiben ihr Befinden oft mit folgenden Worten:
„Nichts ist mehr so, wie es vorher war”.

Obwohl ein Großteil der Verbrechensopfer die Folgen einer Straftat solchermaßen beschreiben, gelang es erst sehr spät deren Symptome und Leidenszustände als behandlungswürdige Störungen anzuerkennen. Während in der medizinischen Literatur bereits vor mehr als 200 Jahren vereinzelte Berichte über die psychischen Beschwerden von Menschen, die Kriegsereignissen, Katastrophen oder Gewaltverbrechen ausgesetzt waren, auftauchten, gelang es erst in den 80er Jahren, einheitliche Kriterien über die Auswirkungen eines psychischen Traumas zu kategorisieren.

Das Wort "Trauma" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Verletzung. Psychische Traumata werde laut Weltgesundheitsorganisation definiert als:
  • „kurz- oder langanhaltende Ereignisse oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalen Ausmaß, die nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde”(_ICD-10, WHO, 1994, S. 124).

Traumatisch ist ein Ereignis, wenn der Schutz der seelischen oder körperlichen Integrität einer Person zusammenbricht oder stark bedroht ist. Die Möglichkeiten, eine Situation in die eine Person geraten ist, zu kontrollieren, versagen und sie fühlt sich der Situation hilf- und machtlos ausgeliefert. Dieses Gefühl der Machtlosigkeit trägt zu einer dauerhaften Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses bei.

Da Verbrechensopfern im Zuge einer Straftat etwas durch andere Menschen angetan wird, ist in der Folge das Vertrauen in andere häufig dauerhaft zerstört. Manche Betroffenen entwickeln großes Misstrauen gegenüber anderen, was zu einem völligen Rückzug aus der Gesellschaft führen kann.

Verbrechensopfer leiden häufig an psychosomatischen Folgen, also an körperlichen Reaktionen auf seelische Belastungen.
Bestimmte Reize, wie ein Geräusch das an die Tat erinnert, lösen nicht nur Erinnerungen aus, sondern bewirken auch Stressreaktionen im Körper, wie zum Beispiel Herzrasen oder steigenden Blutdruck. Dies kann wiederum zu Folgekrankheiten führen, wie chronisch erhöhten Blutdruck oder Herzinfarkt.

Ein weiteres Symptom unter dem traumatisierte Verbrechensopfer leiden, ist ein chronischer pessimistischer Blick in die Zukunft. Bemerkbar wird ein solcher durch allgemeine Passivität oder ein vermindertes Selbstwertgefühl, auch betreffend die Erledigung von Aufgaben und Verpflichtungen des täglichen Lebens.



3 Phasen:
  • Das traumatische Ereignis löst zunächst eine Schockreaktion aus, die sich in Aufgeregtheit, Verwirrtheit, Traurigkeit, Unfähigkeit sich an wichtige Daten zu erinnern, Wut oder Betäubtsein äußern und von einer Stunde bis zu mehrere Tage dauern kann.
  • Sodann folgt die Einwirkphase des Traumas, die zwei bis vier Wochen anhalten kann. In dieser Phase klingen akute Belastungsreaktionen ab, die Betroffenen sind jedoch von dem Ereignis innerlich völlig in Anspruch genommen. Starke Selbstzweifel treten auf, häufig auch Hoffnungslosigkeit, Depressionen, Gefühle der Ohnmacht und einer überschatteten Zukunft. Manche haben Schuldgefühle wegen vermeintlicher eigener Fehler, es kann aber auch zu Wutanfällen und heftigen Anschuldigungen gegen mögliche Verursacher/innen kommen.
  • In der anschließenden Erholungsphase beginnen sich einige Betroffene vom Trauma zu erholen. Noch immer ist das traumatische Ereignis von zentraler Bedeutung und es kann lange dauern, bis es verarbeitet ist, also in die Sicht der Welt und in das Verständnis der eigenen Person einbezogen ist.


Posttraumatische Belastungsstörung:
  • Bestehen wesentliche Symptome über vier Wochen hinaus fort – bleibt die Erholungsphase aus – spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder von einem Psychotraumatischen Belastungssyndrom (PTBS).
  • Kernsymptome der Belastungsstörung sind das Wiedererleben des traumatischen Erlebnisses, die Vermeidung bestimmter Situationen und Örtlichkeiten, die zum Wiedererleben führen könnten und die _erhöhte Reizbarkeit_der betroffenen Person. Bei Opfern von Gewaltverbrechen zeigt sich eine Besonderheit in der psychischen Lage:
    • Die klassischen Symptome der PTBS sind vorhanden.
      Aber da es sich um ein von Menschen absichtlich verursachtes Ereignis handelt, werden das Verhältnis zu anderen Menschen und das ganze Sozialleben beeinträchtigt.
      Es kommt zu Rückzugsverhalten, Minderung der Kontaktfähigkeit und sozialer Isolation.
      Daraus ergibt sich bei Gewaltopfern ein besonders starkes Vermeidungsverhalten, da nun zahlreiche soziale Situationen als bedrohlich erlebt werden. Es kommt zu anhaltender und generalisierender Angst, und zu häufigen psychosomatischen Beschwerden.