Wie hat sich die Gewalt gegen Frauen in Österreich während der Pandemie entwickelt? 


Die Gewalt gegen Frauen hat in Österreich, genau wie in vielen anderen Ländern der Welt während der Pandemie drastisch zugenommen. Bei den Straftaten handelt es sich zum größten Teil um Häusliche Gewalt. Die Häufung der Gewalttaten gegen Frauen sind besonders während dem ersten Lock down in die Höhe geschnellt. Paare und Familien waren monatelang in der eigenen Wohnung gefesselt und konnten sich dabei nicht aus dem Weg gehen. Soziale Isolation und auferlegte Einschränkungen schafften eine ständige räumliche Nähe zu den Tätern. Home-Office und Home-schooling trugen ebenfalls dazu bei das die Emotionen in den eigenen vier Wänden hoch kochten.

Nicht nur die Zahlen der Gewalttaten stiegen während der Pandemie an, sondern auch ihre Art und Brutalität. Vor Beginn der Pandemie waren Ohrfeigen, kleinere Übergriffe und Drohungen gegenüber Frauen und Kindern an der Tagesordnung, wenn es um die Erfassung von Gewalttaten ging. Mit der Pandemie häuften sich jedoch auch Morddrohungen, Mordversuche und besonders Sexuelle Gewalt gegen die eigene Ehefrau oder Partnerin an. Im Jahr 2020 wurden in Österreich jeden Monat drei Frauen in ihrem eigenen Zuhause ermordet.

Gerade auch im Bereich der Prostitution ist Gewalt gegen Frauen sehr verbreitet, weil die Opfer ungern zur Polizei gehen. Trotzdem wurden in 2019 fünfzehn Escort Damen aus Wien Opfer von Gewalt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Vor der Pandemie berichtete jede fünfte Frau davon, seit ihrem 15. Lebensjahr bereits Opfer häuslicher Gewalt gewesen zu sein. Von diesen Frauen wurde jede dritte, Opfer sexueller Gewalt. Bei den Tätern handelte es sich bei jedem vierten Übergriff um den Partner oder Ehemann der Frau.
Statistisch gesehen wurde in Österreich alle 45 Minuten eine Frau Opfer häuslicher Gewalt, diese Zahl ist mit dem Beginn der Pandemie drastisch gestiegen.
Im Jahr 2020 wurden von der Polizei über 11000 Betreuungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen, zu diesem Mittel greift die Polizei meist, wenn es zu einer Drohung gegenüber einer Frau in ihrer Wohnung kam. Danach darf der mutmaßliche Straftäter sich der Frau nicht mehr nähern.
Es wurden über 20000 Opfer familiärer Gewalt gemeldet, die nach einem Übergriff in einem Gewaltschutzzentrum betreut wurden, davon waren 81,5 Prozent Frauen.
Ein noch relativ neues Phänomen ist die Gewalt gegen Frauen im Internet. Auch hier ist ein Anstieg der Zahlen mit Beginn der Pandemie zu verzeichnen.

Auch Frauenhäuser und Familienzentren sind während der Pandemie vollkommen ausgelastet. Während in Österreich die Frauenhäuser bereits vor der Pandemie zwischen 80 und 90 Prozent Auslastung hatten, stieg die Auslastung während der Pandemie auf 100 Prozent an. Aus dem Jahresbericht der Wiener Frauenhäuser für das Jahr 2020, geht hervor, dass insgesamt 604 Frauen Hilfe in einem Frauenhaus suchten. Mit einem Blick auf ganz Österreich steigen die Zahlen bei denen Frauen Schutz in Frauenhäusern und Familienzentren suchten auf 2.994.
Bei unterschiedlichsten Beratungs- und Unterstützungseinrichtungen, für Frauen die Opfer Häuslicher Gewalt geworden sind, ist ein erhöhter Anteil an Frauen und Kindern mit einem Migrationshintergrund zu verzeichnen. Zwar ist die Ausnahmesituation der COVID-19-Pandemie als ausschlaggebender Punkt für den Anstieg der Straftaten zu sehen. Jedoch ist schon vor der Pandemie bekannt, dass in Familien die einen Migrationshintergrund haben eine erhöhte Gewaltbereitschaft zu sehen ist. Da in Frauenhäusern und Schutzzentren die Anonymität der Opfer großgeschrieben wird, sind klare Analysen hier leider nicht möglich.

Doch bei den Zahlen schwankt große Ungewissheit mit. Denn es ist sicher, dass es dabei eine große Dunkelziffer gibt. Frauen die Opfer häuslicher Gewalt werden, trauen sich oftmals nicht Anzeige zu erstatten, oder sich jemandem aus ihrem Umfeld anzuvertrauen. Sie sind oftmals finanziell abhängig gegenüber dem Täter und haben dadurch keine Möglichkeit ihm zu entfliehen. Auch die Angst nicht ernst genommen und Infrage gestellt zu werden, lässt viele Frauen schweigen. Denn Gewalt, besonders wenn es um sexuelle Gewalt geht, lässt sich für die Frauen oft nur sehr schwer, oder gar nicht beweisen. Demnach stehen bei Polizisten und auch später vor Gericht Aussage gegen Aussage. Einer Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte zufolge, zeigen nur 14 Prozent der Frauen die Straftaten an.


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